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Der Weissdorn

Im Frühling blüht er weiß oder zartrosa und recht üppig von Mai bis Juni in Hecken und an Wegesrändern. Nach der reichhaltigen Blüte bilden sich rote, runde, glänzende Früchte. Die Rede ist vom Weissdorn, der botanisch zu den Rosengewächsen zählt und und den lateinischen Namen „Crataegus“ trägt. Diesen Namen verdankt der Crataegus vor allem seinem festen und zähen Holz. Das griechische Wort „krataigos“ bedeutet eben „hart“, „stark“ oder „fest“. Die Pflanze ist sommergrün und kann zu Hecken oder Bäumen emporwachsen, die bis zu sieben Meter Wuchshöhe erreichen können. Gärtner sprechen hier von „Großsträuchern“ oder „Kleinbäumen“. Weltweit gibt es geschätzt 1000 Arten und Unterarten von Crataegus-Pflanzen. 90 davon sind in Europa anzutreffen, wobei im Gartenbau aber weniger zehn als verschiedene Arten bekannt und populär sind. Die Pflanzen können ausgesprochen alt werden, es soll Exemplare geben, die mehrere hundert Jahre alt sind.

Der Weissdorn im Garten

In Deutschland gibt es zwei heimische Crataegus-Arten, den eingriffeligen Crataegus monogyna, der am häufigsten verbreitet ist, und den zweigriffeligen Crataegus laevigata. Für beide gilt, dass sie dicht und eher kugelförmig wachsen und dass die Blüten nicht unbedingt gut duften, sondern eher einen unangenehmen Geruch haben. Die Zweige bilden im Holz dann Stacheln oder Dornen aus. Daher sind die Büsche bei Vögeln als Nistpflanzen beliebt, da die Dornen einen gewissen Schutz vor Beutegreifern wie Katzen bieten. Der Vogel, der auf den makabren Namen Neuntöter hört, nutzt die Dornen sogar, um seine Beutetiere, vor allem Insekten, daran aufzuspießen. Die Blüten haben fünf Blätter und sehen typisch nach Wildrosen aus. Sie wachsen in Gruppen und reichhaltig, sodass die Pflanze während der vollen Blüte in einem weißen Kleid verpackt scheint. Der weißen Blütenpracht und dem dornigen Holz verdankt diese Pflanzengattung ihren Namen. Bestäubt werden die Blüten von Bienen aber auch von Fliegen.

Nach der Blüte bildet der eingriffelige Crataegus dann bis in den September runde etwas apfelförmige Früchte mit einem Kern darin aus. Vögel und kleinere Säugetiere fressen diese gern. Der zweigriffelige Crataegus bildet etwas größere Früchte mit zwei Kernen, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind.

Crataegus-Pflanzen sind recht bodentolerant und wachsen daher auf vielen Bodenarten, brauchen aber tiefgründiges Erdreich, da sie zu den tiefwurzelnden Pflanzen gehören. Am besten eignen sich lehmige und auch kalkhaltige Böden. Der zweigriffelige Crataegus kommt auch mit saureren Böden zurecht. Lediglich Böden mit einem hohen Salzgehalt verträgt der Crataegus nicht.

Noch kurz ein Hinweis zum Standort. Die Crataegus-Planzen sind eher Sonnenanbeter, denn sie gedeihen am besten an sonnigen Standorten. Dort blühen sie dann besonders üppig. Sie wachsen zwar auch im Halbschatten, bilden dann aber deutlich weniger Blüten aus.

Anfälligkeiten für Krankheiten und Schädlinge

Wie viele Rosengewächse ist der Crataegus für einige Erkrankungen und Schädlinge anfällig. Zunächst die bekannten Pilzerkrankungen „Rosenrost“, auch „Rost“ genannt und die Blattfleckkrankheit. Beide Erkrankungen sind an den Verfärbungen der Blätter leicht zu erkennen und die rostbraune Verfärbung erklärt, woher der Name „Rosenrost“ kommt. Beide Erkrankungen können den Crataegus zugrunde richten, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Sie gelten zudem als „Schwächekrankheit“, denn sie befallen vor allem schwache und per se ungesunde Pflanzen. Daher ist die beste Vorbeugung die Verwendung von gesunden Setzlingen oder Saatgut bei der ersten Anpflanzung, die außerdem mit genug Abstand zwischen den Pflanzen erfolgen sollte und das an einem geeigneten Standort. Dazu gehört weiterhin die Pflege der Pflanze durch angepasstes Wässern und den eventuellen Rückschnitt schadhafter Stellen und Zweige. Und beim Gießen sollte das Wasser immer unten an die Wurzel gegossen werden. Da Pilzsporen nicht nur durch Wind, sondern ebenfalls über das Wasser übertragen werden, wäre es falsch, die ganze Pflanze zu duschen. Vor allem, wenn das Wasser aus der Regentonne und nicht der Leitung kommt. Wenn die Pflanze befallen ist, kann im Frühstadium das Spritzen mit entsprechenden Fungiziden helfen. Vor allem aber müssen betroffene Pflanzenteile herausgeschnitten werden. Achtung! Entsorgen Sie dieses Schnittgut über den Hausmüll oder verbrennen sie es. Die Pilzsporen sind zäh und Überleben mehrere Jahre. Genau deshalb hat das Schnittgut nichts auf dem Kompost zu suchen, denn dann bringen Sie die Pilzsporen später über die gereifte Komposterde wieder im Garten aus. Ist die Pflanze schon sehr stark befallen, bleibt meist nur, sie komplett zu roden und wie beschrieben zu entsorgen.

Mehltau kommt ebenfalls vor und manche Crataegus-Sorten sind anfällig für den Feuerbrand, der im Gegensatz zu den genannten Pilzerkankungen durch das Bakterium Erwinia amylovora entsteht. Bei befallenen Pflanzen welken die Blätter und werden schwarz. Der Feuerbrand wird unter anderem durch Schädlinge wie Blattläuse und andere blattsaugende Tiere aber auch Milben begünstigt, die es den Bakterien leichter machen, die Pflanze zu befallen. Für diese Schädlinge ist der Crataegus ebenfalls anfällig, selbst wenn der Befall nicht lebensbedrohlich ist, solange der Feuerbrand nicht huckepack mit der Blattlaus kommt. Daher ist eine entsprechende Schädlingsbekämpung sinnvoll, um die Schädlinge selbst und Begleiterscheinungen wie den Feuerbrand in den Griff zu bekommen. Zur Vorbeugung des Feuerbrandes gelten die selben Maßnahmen wie bei den Pilzerkrankungen. Ist eine Pflanze befallen und wird das frühzeitig erkannt, kann ein entsprechender Rückschnitt helfen, bei dem alle befallenen Pflanzenteile entfernt und wieder am besten durch Verbrennen entsorgt werden. Manchmal helfen spezielle Hefe-Präparate aus dem Handel, die es dem Bakterium erschweren, sich zu verbreiten. Ist der Befall mit dem Feuerbrand zu stark, muss abermals die gesamte Pflanze gerodet und so vernichtet werden, dass auf jeden Fall die Bakterien eliminiert werden.

Als Speisepflanze

Wie schon erwähnt, eignen sich die Früchte einiger Crataegus-Arten für den menschlichen Verzehr. Die Früchte könnten zwar frisch gegessen werden, haben aber neben der eher mehligen Konsistenz meist keinen allzu intensiven, sondern eher einen faden Geschmack. Daher sind Wildfruchtmarmeladen und Kompott eine beliebte Methode, um diese gesunden Früchte für den Verzehr aufzubereiten. Die Knospen der jungen Blüten und junge Blätter eignen sich als Ergänzung für einen Salat oder angedünstet als Gemüse. Ein Fruchtmus aus Weissdornfrüchten ist schnell und einfach hergestellt: Ein Kilo der frisch geernteten Früchte werden gesäubert und dann in einem viertel bis einem halben Liter Wasser weich gekocht. Die Masse wird dann durch ein Sieb gestrichen, um die Kerne aus dem Mus heraus zu bekommen. Dann mischt man das Fruchtmus mit etwas Honig oder Agavendicksaft und dem Saft einer Zitrone. Das fertige Mus hält sich im Kühlschrank circa eine Woche. Es schmeckt pur, eignet sich bestens als Brotaufstrich oder eingerührt in Joghurt oder Quark. Ein Müsli kann damit ebenfalls aufgewertet werden. Die Crataegus-Früchte können zudem entsaftet und der Saft zu einem leckeren Sirup eingekocht werden.

Als Heilpflanze

Jetzt kommen wir zur tatsächlichen Stärke des Crataegus, denn die Pflanze ist eine von alters her bekannte Heilpflanze, die in der Naturheilkunde schon lange Anwendung findet. Vor allem der eingriffelige Crataegus hat hier reichlich Potential, denn er hat viele nützliche Inhaltsstoffe. Hier die wichtigsten: Oligomere Proanthocyanidine, Crataeguslacton (Crataegussäure), ätherisches Öl, Trimethylamin, Glykosid Oxyacanthin, Gerbstoff, Saponin, Fructose, Aluminium, Kalium, Natrium, Calcium, phosphorsaure Salze. Schauen wir uns einige der Wirkstoffe im einzelnen an.

Oligomere Proanthocyanidine

Oligomere Proanthocyanidine (kurz OPC) sind Stoffe, die zur Stoffgruppe der Polyphenole und dort der Untergruppe der Flavanole gehören. OPC haben antioxidative und entzündungshemmende Wirkung, können je nach Dosis das Wachstum von Dickdarmkrebszellen hemmen. Sie helfen dem Körper bei der Aufnahme der Vitamine A, C und E und können deren Wirkung verbessern. Es gibt Studien, die nahelegen, das OPC Alzheimer nicht verhindern aber doch verlangsamen können. OPC wirken gefäßerweiternd, gefäßstabilisierend und blutdrucksenkend.

Crataeguslacton (Crataegussäure)

Das Crataeguslacton, also die Crataegus-Säure, ist wesentlich für die „Herzwirksamkeit“ der Pflanze. Das Crataeguslacton hat eine stärkende Wirkung auf das Herz, in dem es das Herzmuskelgewebe unterstützt uns kontraktionsfähiger macht.

Glykosid Oxyacanthin

Dem Glykosid Oxyacanthin, das nicht mit dem gleichnamigen, giftigen Stoff aus der Berberitze verwechselt werden sollte, wird ebenfalls eine herzstärkende Wirkung zugeschrieben. Es soll außerdem ähnliche Wirkung wie Chinin haben. Chinin soll gegen Malaria wirken, Muskelkrämpfe lösen und bei Schwangeren die Wehentätigkeit unterstützen können.

Gerbstoff

Gerbstoffe haben eine zusammenziehende (adstringierende) und eine austrocknende Wirkung. Das kann Bakterien, die sich auf der Haut oder einer Schleimhaut angesiedelt haben, den Nährboden entziehen. So wird das Eindringen von Bakterien und Pilzsporen in das Hautgewebe gehemmt. Damit haben Gerbstoffe eine antimikrobielle Wirkung. Gerbstoffe vermindern Schmerzen und die Bildung von Wundsekreten, sie hemmen Entzündungen und wirken blutstillend. Bei Magen- und Darmentzündungen wirken Gerbstoffe lindernd und können durch ihre leicht stopfende Wirkung gegen akuten Durchfall helfen. Im Mund- und Rachenraum helfen Gerbstoffe gegen Entzündungen und sie taugen als Gegengift bei Vergiftungen mit Schwermetallen oder Alkaloiden.

Saponin

Saponine sind eine Untergruppe der Glykoside und haben in der Naturheilkunde eine wichtige therapeutische Wirkung. Sie wirken stärkend, entzündungshemmend, können schleimlösend und harntreibend wirken. Zudem unterstützen sie den Körper bei der Aufnahme anderer Stoffe über den Darm und binden überschüssiges Cholesterin. Es gibt Studien, die eine hemmende Wirkung bei Darmkrebs nahelegen. Auf keinen Fall dürfen Saponine nicht in die Blutbahn gelangen, da sie die roten Blutkörperchen zerstören und damit eine „blutauflösende“ Wirkung haben.

Aluminium, Kalium, Natrium, Calcium

Aluminium, Kalium, Natrium und Calcium sind bekannte Spurenelemente, die der menschliche Körper über die Ernährung bekommt.

Wesentliche Anwendungsbereiche

Die wesentlichen Anwendungsbereiche im Rahmen der Naturheilkunde sind im Bereich des Herzens und der Herzerkrankungen sowie im Bereich der Psyche zu finden. Die genannten Substanzen wirken „positiv inotrop“, was nichts anderes als herzstärkend bedeutet, weil Weissdorn Herz und Blutgefäße positiv beeinflusst. Crataegus wirkt gefäßerweiternd und verbessert damit die Durchblutung nicht nur des Körpers sondern eben auch des Herzens beziehungsweise des Herzmuskels. Damit wird dem Crataegus eine gegen Herzinfarkt vorbeugende Wirkung zugeschrieben. Angina pectoris lässt sich mit Crataegus ebenfalls lindern. Da Crataegus zudem eine beruhigende Wirkung auf die Nerven hat, hilft er bei nervös bedingten Herzbeschwerden. Außerdem kann Weissdorn Herzrhythmusstörungen oder Herzstolpern (Extrasystolen) abmildern und kommt dort entsprechend zum Einsatz.

Der nächste Wirkungsbereich ist die Blutdruckregulation, weil Weissdorn Blutdruck in beide Richtungen beeinflussen kann. Crataegus kann hier zunächst einen krankhaften Bluthochdruck abmildern. Und ist der Blutdruck zu niedrig, hilft Crataegus dabei ebenfalls und reguliert diesen nach oben beziehungsweise unterstützt das. Bevor man mit Weissdorn Herzrhythmusstörungen oder den Blutdruck behandelt, sollte wie bei allen Erkrankungen immer ein Arzt konsultiert werden.

Wirkungsweise und keine Nebenwirkungen

Die herzstärkende Wirkung des Crataegus kommt vor allem beim „Altersherz“ zum Einsatz, einem schwächeren Herzen bei älteren Menschen. Dabei ist besonders von Vorteil, das Crataegus frei von Nebenwirkungen ist. Andere Naturpräparate wie beispielsweise auf Basis des Fingerhutes (Digitalis) sind da eventuell problematisch, da die Überdosierung des Präparates auf Fingerhut-Basis schnell giftig wirken kann. Aber für den Crataegus konnten bislang keinerlei Nebenwirkungen nachgewiesen werden. Dafür wirkt er etwas langsamer, sodass ein Therapieerfolg sich erst über eine gewisse Behandlungsdauer einstellt und die Behandlung langfristig oder dauerhaft erfolgen sollte. Die dauerhafte Einnahme ist dank der fehlenden Nebenwirkungen gut machbar.

Anwendung im Bereich der Naturkosmetik

Weissdorn-Tee und -Tinkturen aber auch Cremes mit dem Pflanzenextrakt kommen in der Naturkosmetik zur Anwendung. So soll Crataegus auf die Haut eine beruhigende Wirkung haben und die Neigung zu Pickeln und Rötungen abmildern. Die Pflanze kann bei Mischhaut, fettiger und grobporiger Haut angewendet werden, um diese zu pflegen. Weissdorn-Tee wird dabei wie Gesichtswasser genutzt. Die Tinkturen können zur pflegenden Reinigung mit einem Wattetupfer zum abreiben der Haut genutzt werden. Großflächig profitiert die Haut durch ein Bad mit Crataegus. Dazu später mehr. Crataegus-Extrakt, den man kaufen kann – die Herstellung ist nicht ganz einfach – können Sie selbst zu Hautcremes verarbeiten. Wer das nicht will oder kann, für den hält der Naturkosmetik-Handel fertige Weissdorn-Pflegeprodukte bereit.

Weissdorn Wirkung Psyche

Neben der Wirkung bei Herzerkrankungen hat der Crataegus mit seinen Wirkstoffen auf Wirkungen auf nervliche Probleme. So stärkt er die Nerven und wirkt ausgleichend und beruhigend, beispielsweise bei nervöser Unruhe. Er mindert eine erhöhte Reizbarkeit und hat sich mit seiner beruhigenden Wirkung nicht nur bei Stress, sondern zudem bei nervösen Schlafstörungen bewährt. So hilft Crataegus beim Einschlafen und fördert einen gesunden Schlaf. Bei Angstzuständen, seelischen Problemen und Konflikten oder psychischen Belastungen beispielsweise durch Trauer oder Trennungsschmerz aber auch negativen Gefühlen allgemein wird dem Weissdorn eine entspannende und ausgleichende Wirkung zugeschrieben. Der Übergang zur Esoterik ist bei diesen Zuschreibungen der Wirkungen fließend. Denn wenn es in manchen Quellen heißt, der Crataegus helfe, negative Emotionen loszulassen und das Herz für neue Gefühle zu öffnen, verlassen wir den Bereich der empirischen Belegbarkeit einer solchen Wirkung.

Nutzung im Bereich der Esoterik und Mystik

Weissdorn wurde früher einige Bedeutung im Bereich der esoterischen oder magischen Anwendung beigemessen. Aus dem Altertum und dem Mittelalter sind einige Anwendungen in diesem Feld überliefert. So sollte Crataegus gegen böse Geister oder Hexenzauber wirken beziehungsweise davor schützen. Im Mittelalter wurden Zweige eines Weißdorns zu einer Art Tor oder Tunnel gebunden. Menschen, bei denen eine Krankheit in der Entstehung war, mussten durch diese Tore oder Tunnel hindurchgehen oder gar krabbeln. Der Weissdorn, so der damalige Glaube, streift dabei die bösen Geister vom Körper des Erkrankten ab, was die Heilung unterstützen sollte. Zweige des Crataegus an die Gatter einer Viehweide oder an die Stalltür gebunden, sollten die Tiere vom Einfluss dunkler Mächte beschützen. Gleiches galt für Fenster oder Zimmertüren, an die man die Zweige band, um böse Geister fernzuhalten. Mitunter wurden sogar Kinderkrippen oder Kinderbetten aus Weissdornholz angefertigt, um die Kinder vor dunklen Kräften oder Hexen zu schützen, die das Kind entführen und gegen einen „Wechselbalg“ austauschen.

Doch der Crataegus ist durchaus auch für gute Geister zuständig. So gilt der Crataegus in der Mythologie als die Behausung von guten Feen und Elfen. Im alten England gab es drei Baumarten, in denen man die Heimat von guten Feen vermutete. Neben dem Weissdorn waren das Eiche und Esche. Wuchsen diese drei Bäume dicht beieinander, galt diese Konstellation als Behausung von Feen und Elfen.

Als Aphrodisiakum überschätzt

Dem Crataegus wird gemeinhin die Wirkung als „Liebeshelfer“ nachgesagt, doch seine Wirkung als Aphrodisiakum gilt nicht nur als umstritten, sondern durchaus als widerlegt. Ursprung des Glaubens an diese Wirkung dürfte ein Stoff namens Trimethylamin sein, der in der Crataegus-Blüte vorkommt und einen bestimmten und nicht unbedingt angenehmen Duft mit sich bringt. Genau der gleiche Stoff kommt im Vaginalsekret von Frauen und im Ejakulat von Männern vor. Diese „Ähnlichkeit in der Nase“ hat der Pflanze vermutlich ihren Ruf als Aphrodisiakum beschert. Diesem wird er aber nicht gerecht, weil er die tatsächliche hormonelle Wirkung nicht hat, die ein Aphrodisiakum aufweisen sollte, um die gewünschte „Wirkung im Bett“ zu entfalten. Immerhin galt das Überreichen einer Weissdornblüte an eine Frau vor allem im orientalischen Raum als eine halbwegs unverblümte Absichtserklärung. Bei vielen Hochzeiten kommt heute noch Crataegus als Schmuck zum Einsatz, was ursprünglich geschah, um eine fruchtbare Ehe zu begünstigen.

Weissdorn Tee

Eine beliebte Darreichungsform des Crataegus als Heilmittel ist der Weissdorn Tee. Dabei werden die Blätter und Blütenblätter der Pflanze mit kochendem Wasser aufgegossen und dieser Aufguss zehn Minuten lang ziehen gelassen. Danach werden die Blätter und Blütenblätter abgesiebt und der Tee, der gerne mit Honig gesüßt wird, getrunken. Es gibt zudem einige Rezepte für „Herz-Tee“, der mit weiteren Pflanzen ergänzt wird. Dabei kommen Pflanzen wie Herzgespann und Verbenen zum Einsatz. Für den Geschmack und eine stoffwechselaktivierende Wirkung können Zimt, Ingwer und Kornblumen-Blüten hinzugegeben werden. Hier sollte man die Mischungen dann eher 15 als zehn Minuten durchziehen lassen. Mischungen für den Tee kann man fertig in der Apotheke oder naturheilkundlichen Läden kaufen, aber auch problemlos selbst herstellen, wenn man die Pflanzen im Garten hat oder deren Bestandteile ohne Belastung durch Spritzmittel bekommt.

Weissdorn Tinktur

Beliebt ist außerdem die Weissdorn Tinktur. Eine Tinktur ist ein „alkoholischer Abzug“ einer Pflanze. Die Wirkstoffe des Crataegus werden über das Medium Alkohol aus Früchten, Blüten und Blättern extrahiert. Die Tinktur kann jeder problemlos daheim herstellen. Dazu werden die zerstoßenen Früchte des Crataegus und frische oder getrocknete Blüten und Blätter in ein verschließbares Einmachglas gegeben und mit einem klaren, geschmacksneutralen Alkohol wie einfachem Doppelkorn, Wodka oder Weingeist aufgegossen. Alle Pflanzenteile sollten dabei bedeckt sein. Diesen Aufguss sollten Sie einen bis anderthalb Monate stehen und durchziehen lassen, damit alle Wirkstoffe aus den Pflanzenteilen extrahiert werden und in die Flüssigkeit übergehen. Danach wird das Ganze durch ein Sieb oder einen Filter abgeseiht. Dann wird die Tinktur in eine dunkle Flasche abgefüllt. Die Anwendung der Weissdorn-Tinktur erfolgt tropfenweise. Ein bis dreimal am Tag nimmt man 20 bis 40 Tropfen zu sich. Sollte die Weissdorn-Tinktur geschmacklich zu kräftig oder derbe sein, können Sie diese gerne mit Wasser verdünnen, indem sie die Tropfen in ein Glas mit Wasser dosieren.

Anwendung als Bad

Crataegus kommt außerdem oft für Teil- und Vollbäder zum Einsatz. Für ein Vollbad werden vier bis sechs Hände voll mit getrockneten Blüten und Blättern mit fünf Litern kaltem Wasser aufgesetzt und für mindestens 24 Stunden ziehen gelassen. Danach kocht man diesen Sud auf und kippt ihn dann zum heißen Badewasser dazu. Darin sollte dann 30 Minuten gebadet werden. Das Vollbad hilft gegen Bluthochdruck, stärkt den Kreislauf und soll außerdem bei Arterienverkalkung Linderung verschaffen. Ein Weissdorn-Bad pflegt zudem die Haut.

Fazit

Von einem Weissdorn im eigenen Garten profitieren viele. Zunächst Insekten, die die Blüten bestäuben und sich vom Nektar ernähren. Dann Vögel, die in den dornigen Zweigen gut vor Katzen und anderen Räubern geschützt nisten können. Und zum Schluss der Mensch, der nicht nur den schönen Anblick der Pflanze im Garten genießen, sondern sich außerdem die vielen gesundheitsfördernden Wirkungen der Crataegus-Pflanze zu Nutze machen kann. In Sachen Gesundheit hilft Weissdorn Herz und Kreislauf aber auch der Psyche.